Journal Article10.1055/s-0028-1138153
Ueber Nirvanolvergiftung1)
C. Jacob
- 27 Nov 1919
Vol. 45, pp 1331-1333
TL;DR: Nirvanol war ein beliebtes Schlafmittel, das in den 1910er Jahren veröffentlicht wurde. Es zeigte eine hervorragende Wirkung, jedoch wurden mehrere Fälle von akuter und chronischer Vergiftung veröffentlicht.
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Abstract: Das Schlafmittel Nirvanol (Phenyläthylhydantoin) wurde im Jahre 1916 von den Firmen Meister Lucius & Brüning (Höchst am Main) und Heyden (Radebeul) im den Handel gebracht. Die experimentellen Untersuchungen an Tieren fielen so überaus günstig aus, daß man hätte erwarten können, das Nirvanol würde unsere besten Schlafmittel (Veronal, Luminal) verdrängen. Die ersten Versuche schienen auch durchaus ermutigend zu verlaufen: das Präparat war geschmacklos, also selbst empfindlichen Kranken leicht einzuverleiben; es bewährte sich schon in relativ geringen Dosen als ein ausgezeichnet sicheres Schlafmittel" (Wernicke), und vor allem: auch bei monatelangem Gebrauch schien es nicht die geringsten unangenehmen Nebenwirkungen zu haben, wie Benommenheit, Schwindel, Ohrensausen. Allmählich wurden jedoch von mehreren 5eiten Mitteilungen veröffentlicht, die zur Vorsicht mahnten. So berichtet 1918 Curs chmann über zwei Fälle, Pensky über einen, Goliner 1919 über einen weiteren Fall von Nirvanolvergiftung, die allerdings alle trotz der hohen Dosen, die genommen wurden, gut abliefen. Bei allen diesen Fällen handelte es sich um akute Vergiftung mit den hierfür typischen Erscheinungen: Benommenheit, bis zur tiefsten Bewußtlosigkeit, Herabsetzung bis zum vollständigen Fehlen der Reflexe. Die erste Mitteilung über chronische Vergiftungserscheinungen machte Frieda Roeder, die, auf der Suche nach einem neuen Beruhigungsund Schlafmittel für die Kinderpraxis, Nirvanol in ausgedehntem Maße anwandte. Sie sah bei mehreren Kindern schon nach relativ kleinen Gaben, meistens unter Fieber, Exantheme auftreten, die sie veranlaßten, das Mittel abzusetzen. Ernste Schädigungen hat sie jedoch nie beobachtet und empfiehlt das Mittel bei vorsichtigem Gebrauch weiter. Viel weniger optimistisch äußert sich Mjerus in seinér kürzlich erschienenen Arbeit. Er teilt mehrere verschieden schwer verlaufene Fälle mit, von denen einer unter dem Bilde einer schweren hämorrhagischen Nephritis tödlich verlief. Trotz der seiner Ansicht nach sehr guten Wirkung dieses Schlafmittels warnt er daher dringendvor dem kritiklosen Gebrauch undempfiehit, es dem freien Verkehr zu entziehen und nur bei solchen
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