TL;DR: Schnell et al. as discussed by the authors unterstütze ein spezifisch emotionstheoretisches Interesse verfolgen und zum Beispiel historische Codierungen von ‚Zorn‘ oder ‚Trauer‘ untersuchen.
Abstract: Die Geschichte der Emotionen hat in der Mediävistik unvermindert Aktualität. Aspekten von ‚Liebe, Ehe und Sexualität‘, die seit längerem erforscht werden, treten neue Ansätze zur Seite, die ein spezifisch emotionstheoretisches Interesse verfolgen und zum Beispiel historische Codierungen von ‚Zorn‘ oder ‚Trauer‘ untersuchen. Die neue Untersuchung von Rüdiger Schnell ist insgesamt zum Komplex ‚Liebe, Ehe und Sexualität‘ zu rechnen, obwohl ein Schwerpunkt in der Analyse historischer Gefühlskonzepte liegt.
TL;DR: In this article, the Abgabefassung der Habilitationsschrift Saurma-Jeltschs (Freie Universität Berlin 1991) in Anmerkungen jüngerer Untersuchungen zu elsässischen Bilderhandschriften des 15. Jahrhunderts is discussed.
Abstract: Seit über zehn Jahren fristet die Abgabefassung der Habilitationsschrift Saurma-Jeltschs (Freie Universität Berlin 1991) ein Dasein in Anmerkungen jüngerer Untersuchungen zu elsässischen Bilderhandschriften des 15. Jahrhunderts. Hier und da vielleicht in Unkenntnis bloß erwähnt, hat die vorläufige Form von der Mehrheit ihrer Leser längst den Beifall erfahren, den sie verdient. Man muß nicht das stets unangebrachte Bild vom Schlußstein bemühen, darf aber doch konstatieren, daß hier die erste umfassende Untersuchung des Hagenauer Unternehmens, seiner Konstituenten und Vorläufer, seiner Mechanismen und seiner Produkte vorliegt: ein Standardwerk zu einer Werkstatt, die sich auf kostengünstige Herstellung von Bilderhandschriften verlegt hatte und die der Aufmerksamkeit der Germanistik insofern sicher sein durfte, als sie ein breites Angebot höfischer Literatur des 13. Jahrhunderts im Programm führte. Daß die hier gebotene Summe in erster Linie aus kunstgeschichtlichen Publikationen – und hier überwiegend aus Arbeiten der Verfasserin – gezogen werden mußte, wird niemanden, der sich die seinerzeit disparate Forschungslage vor Augen führt, wundern. Daß in den neunziger Jahren textwissenschaftliche Untersuchungen zu Lauberhandschriften angestellt wurden, machte die Monographie auch für Germanisten zu einem aktuellen Gesprächsbeitrag. Sicher wäre manches anders formuliert oder anders gedeutet worden, wenn die Verfasserin die Entwicklung hätte voraussehen können. So blieb ihr, in der Druckfassung auf wichtigere Studien nach Vermögen zu reagieren. Es wurde eine Auseinandersetzung mit Textwissenschaftlern, und unter diesem Gesichtspunkt soll die Arbeit im folgenden diskutiert werden.
TL;DR: In this article, Büchner et al. erhalten die naturphilosophischen Schriften des vergleichenden Anatomen Georg Buechner eine bislang ungeahnte Bedeutung, vor allem für die Erläuterung seiner Dichtung.
Abstract: Poststrukturalistisch inspirierte Literaturbetrachtungen taten sich lange Zeit schwer, Georg Büchner und sein Werk zum Gegenstand ihrer Reflexionen zu machen. Erst seit der Jahrtausendwende werden vermehrt und erfolgreich Studien publiziert, die den Texten des Vormärzautors mit den Analyse- und Interpretationsinstrumenten Foucaults, Derridas oder auch – wie im vorliegenden Fall – Lacans und de Mans zu Leibe rücken. Weil aber im Rahmen dieses Forschungsparadigmas die Entwicklung der empirischen (Natur-)Wissenschaften im 18. und 19. Jahrhundert eine zugleich konstitutive und von den Formen literarischer Reflexion qualitativ nicht mehr unterschiedene Rolle einnimmt, erhalten die naturphilosophischen Schriften des vergleichenden Anatomen Georg Büchner eine bislang ungeahnte Bedeutung – vor allem für die Erläuterung seiner Dichtung.
TL;DR: In this article, Orosz setzt sich eine systematische Darstellung der Hoffmannschen Textstrukturen zum Ziel, in which beschriebenen Strukturen sollen dabei zum einen im Zusammenhang mit bestimmten Epochenphänomenen gesehen werden and zum anderen die Modernität beziehungsweise Postmodernitäts avant la lettre des Hoffmann Schen Werks aufze
Abstract: Die Autorin des vorliegenden Bandes setzt sich eine systematische Darstellung der Hoffmannschen Textstrukturen zum Ziel. Die beschriebenen Strukturen sollen dabei zum einen im Zusammenhang mit bestimmten Epochenphänomenen gesehen werden und zum anderen die Modernität beziehungsweise Postmodernität avant la lettre des Hoffmannschen Werks aufzeigen. Im Anfangskapitel, das die für die sogenannte Goethezeit typische Problematik des Individuums und seiner Beziehungen zur Umwelt treffend umreißt, wird die symptomatische Ambivalenz hervorgehoben, mit der man um 1800 die Mehrschichtigkeit der menschlichen Psyche thematisierte. Diese Ambivalenz besteht nach Orosz darin, „daß gewisse Phänomene zwar latent bekannt, aber nicht angenommen, sondern – um im Stil der späteren Psychoanalyse zu sprechen – verdrängt“ würden (S. 16).
TL;DR: In this article, Gärtner et al. present two Untersuchungen vor, die neue Perspektiven zu dem noch unterbelichteten Feld der Nachkriegsgermanistik liefern.
Abstract: Mit der von Petra Boden und Rainer Rosenberg herausgegebenen Anthologie Deutsche Literaturwissenschaft 1945–1965 sowie der von Marcus Gärtner veröffentlichten Dissertation Kontinuität und Wandel in der neueren deutschen Literaturwissenschaft nach 1945 liegen nun zwei Untersuchungen vor, die neue Perspektiven zu dem noch unterbelichteten Feld der Nachkriegsgermanistik liefern. Marcus Gärtners Arbeit bezieht sich dabei ausschließlich auf die Nachkriegsgermanistik in Westdeutschland, während die Anthologie von Petra Boden und Rainer Rosenberg – neben Schlaglichtern auf die westdeutsche Germanistik und die Romanistik in beiden deutschen Staaten – einen Schwerpunkt mit Aufsätzen zur Nachkriegsgermanistik in der DDR setzt, die durch die Öffnung von Archiven nun als abgeschlossene Geschichte erforschbar ist.
TL;DR: In this article, the authors focus on the identification of kollektiver Identitäten in the context of Wissenschaftsbetrieb (WBS).
Abstract: Die Themen Globalität und Identität und somit zugleich Alterität haben im Wissenschaftsbetrieb seit einiger Zeit Konjunktur, ein Grund dafür ist unter anderem der Globalisierungsprozeß nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und nach Beendigung des Kalten Kriegs, der sich in den letzten Jahrzehnten deutlich beschleunigt hat. Damit geht ein zunehmendes Interesse an der Geschichte und der Konstituierung kollektiver Identitäten einher, man spricht von der „Erfindung\" beziehungsweise „Imagination\" regionaler und globaler Identitäten, die in der Performanz der Identitätsgenerierung zugleich den Ausschluß des Anderen und Fremden zeitigen. Es zeigt sich, daß ein Individuum nicht nur eine, sondern mehrere Identitäten hat, „religiöse Identitäten, Geschlechteridentitäten, berufliche Identitäten und solche, die man als regionale oder Räumliche' Identitäten bezeichnen könnte. Diese regionalen oder räumlichen Identitäten können als ein System aus ineinander gesetzten Kästen angesehen werden, [sie] sind miteinander vereinbar, sie ergänzen sich sogar, aber sie stehen auch im Wettbewerb\". Peter Burke vertritt in diesem Zusammenhang die These, daß sich Identitäten im geschichtlichen Kontext oft mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ausbilden, wobei ein Wandel der Mentalitäten und Identitäten dem Veränderungsdruck technischer und institutioneller Innovationen, speziell der Moderne, meist mit Verzögerung nachfolgt. Die Geschichte kollektiver Identitäten ereignet sich folglich in einem Spannungsfeld von globalen und regionalen Identitäten, von Veränderungsdruck und beharrenden Kräften. Insbesondere der gesellschaftspolitische und kulturelle Zeitraum „Prag um 1900\" ist als Untersuchungsobjekt höchst geeignet, ein solches Spannungsfeld zu untersuchen, denn Prag ist zu dieser Zeit als Zentrum Mitteleuropas zugleich auch eine „Dreivölkerstadt\", eine „Tripolis\", in der in verschiedenster Art und Weise und aus mehr oder weniger differenten Perspektiven eine virulente Diskussion um ethnische und nationale Identität stattfindet. Wenn nach Benedict Anderson Kultur entscheidend dazu beiträgt, daß sich Menschen mit einer
TL;DR: The Lexikon as mentioned in this paper bietet Informationen zu 534 Kinder-and Jugendbüchern aus 65 Ländern, i.e., the period zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts and den frühen 1990er Jahren.
Abstract: Dieses Lexikon bietet Informationen zu 534 Kinder- und Jugendbüchern aus 65 Ländern. Der Schwerpunkt liegt auf dem Zeitraum zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und den frühen 1990er Jahren. Erfaßt werden „vorwiegend Romane und Erzählungen, aber auch Märchen, Fabeln, Dramen und Gedichtbände sowie erwachsenenliterarische Werke, die den Status von Kinderbuchklassikern erlangt haben“ (S. V).
TL;DR: In this paper, Baum analyzes von Berlin Alexanderplatz strebt eine "textnahe, keineswegs aber theorieferne Lesart" (Buchdeckel) von Döblins erfolgreichem Roman an.
Abstract: Michael Baums Analyse von Berlin Alexanderplatz strebt eine „textnahe, keineswegs aber theorieferne Lesart“ (Buchdeckel) von Döblins erfolgreichem Roman an. Die Textnähe wird einerseits durch sorgfältige Einzeluntersuchungen, die immer noch Überraschungen bergen – siehe die Analyse der Zannowich-Parabel (S. 38f.) –, andererseits vor allem durch die Systematisierung wesentlicher Problemkreise der Döblinforschung erreicht, in deren Rahmen Fragen wie etwa die sprachliche Kennzeichnung der dialektalen Passagen und das Geflecht der Zitate im Roman zur Sprache kommen. Das zweite Anliegen findet dagegen in der Anwendung des theoretischen Gerüsts von Charles Sanders Peirce seinen Niederschlag. Durch diese Vermittlung sucht Baum eine „zeichentheoretisch fundierte Literaturwissenschaft“ (S. 25) zu praktizieren, nach der Zeichen ihre „Bedeutung in einem Interpretationsprozeß [konstituieren], im Verlauf dessen weitere Zeichen produziert werden, die in ihrer Gesamtheit den Interpretanten des Repräsentamens darstellen“ (S. 27).
TL;DR: In this paper, Kivy et al. present The Pleasttres of Aesthetics and beyond aesthetics, in which only ein kleiner Teil vorgestellt werden können.
Abstract: Ein Vorwort von Peter Kivy und ein ausführliches Personenund Begriffsregister runden den Band ab. Daß jeder der Essays für sich, das heißt ohne Rückgriff auf seine Nachbarn in der Sammlung, lesbar bleibt, ist gewilS ein Vorzug, bedeutet freilich einige Überschneidungen, die in Kauf nehmen mulS, wer alle Essays zu einem Thema liest. r · u Insbesondere von The Pleasttres of Aesthetics und Beyond Aestheticsh&t hier nur ein kleiner Teil vorgestellt werden können. Beide Titel geben einen ausgezeichneten Einblick in die philosophische Arbeit ihrer Autoren und stellen substantielle Beiträge zu aktuellen Debatten dar. Jedes der besprochenen Bücher zeichnet sich durch eine der Haupttugenden der analytischen Ästhetik aus: Thesen und Positionen werden nicht bloß behauptet, sondern sie werden eingebettet in methodologisch kontrollierte Argumentationen vorgestellt. Das bedeutet nicht nur, daß oftmals die Genese der Thesen transparent und nachvollziehbar bleibt (d.h. es wird deutlich, was den Autor zur fraglichen These gebracht hat); zugleich und vor allem bedeutet es, daß der Leser mit den Gründen bekannt gemacht wird, die für (oder gegen) die fraglichen Thesen sprechen.
TL;DR: In this article, Goethes späte Äußerungen über Weltliteratur haben, obwohl von einer konsistenten Theorie im klassischen Sinne nicht die Rede sein kann, wie wohl kein anderes Theorem des Weimaraners in den letzten Jahrzehnten Karriere gemacht.
Abstract: „National-Literatur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Welt-Literatur ist an der Zeit und jeder muß jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen.“ Goethes späte Äußerungen über Weltliteratur haben, obwohl von einer konsistenten Theorie im klassischen Sinne nicht die Rede sein kann, wie wohl kein anderes Theorem des Weimaraners in den letzten Jahrzehnten Karriere gemacht. Noch das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert stellte Weltliteratur – entgegen der Goetheschen Intention und gleichwohl fast immer mit Bezug auf ihn – meist als Addition verschiedener Nationalliteraturen in kanonisierenden Kompendien (‚Weltliteraturgeschichten‘) vor. Spätestens mit Fritz Strich, der in Goethe und die Weltliteratur den Gedanken der Weltliteratur unter dem Gesichtspunkt der Völkerverständigung ausarbeitete und damit seine frühe Utopie „zur Schlichtung jenes heute [1930] tobenden Kampfes zwischen der Idee der Nation und der Idee der Menschheit“ in ein theoretisches Konzept überführte, entwickelte sich der konzeptuelle Umgang mit ‚Weltliteratur‘ zu einem diskursbestimmenden Begriff komparatistischen Arbeitens.
TL;DR: In this paper, Achnitz verstärkt ihr Augenmerk auf Texte des 13. and frühen 14. Jahrhunderts, in which unter der Sammelbezeichnung,Liebesund Abenteuerromane' einer Gattung großepischen Erzählens begineschlagen werden.
Abstract: Seit ungefähr eineinhalb Dekaden richtet die Forschung verstärkt ihr Augenmerk auf Texte des 13. und frühen 14. Jahrhunderts, die unter der Sammelbezeichnung ,Liebesund Abenteuerromane' einer Gattung großepischen Erzählens zugeschlagen werden. Es handelt sich dabei um komplexe Dichtungen heterogener Art, deren lange Zeit bezweifelter ästhetischer Wert historisch angemessene Bestimmungen finden sollte und inzwischen gefunden hat. Dies gründet nicht zuletzt in der Einsicht, daß die komprimierte Vielschichtigkeit der Romane weniger als ästhetisches Defizit, denn als Ausdruck einer komplexen literarischen Situation zu betrachten ist, in der einerseits wirkmächtige Traditionen wie etwa die des ,klassischen' höfischen (Artus-)Romans aufgegriffen, modifiziert und weiterentwickelt werden. Andererseits orientieren sich die literaturkundigen Dichter (wieder) an älteren Gattungen und Themen der frühmittelhochdeutschen Dichtung. Und schließlich kommt es zur produktiven Auseinandersetzung mit aktuellen Formen literarischer Sinnstiftung wie der Spruchdichtung, der volkssprachlichen Weltchronistik oder den Minnereden, die im Laufe des 13. Jahrhunderts Konjunktur hatten oder im Entstehen waren. Fragt man positiv-konstruktiv nach dem ästhetischen Wert derartiger Romankonstrukte, gilt es zuallererst ihre Poetik zu entschlüsseln, genauer wie es in ihnen gelingt, so heterogenes Material für einen bestimmten Darstellungszweck in neuem Sinnganzen zu verbinden. Dieser Aufgabe stellt sich auch Wolfgang Achnitz in seiner Habilitationsschrift, und er weiß eindrucksvoll aufzuzeigen, daß hier noch so manche Einsicht zu gewinnen ist. Dies gilt nicht nur für den Reinfried von Braunschweig, dem 27627 Verse umfassenden Romanfragment eines anonymen Schweizer Dichters, sondern auch für ein Werk wie den Apollonius von Tyrland des Wiener Arztes Heinrich von Neustadt, dem die Forschung bisher keine kohärente Gesamtdeutung abgewinnen konnte. Gewissermaßen von hinten, das heißt aus den Ergebnissen der Textanalyse sowie aus den Mutmaßungen über ihren Entstehungskontext wird deutlich, daß Achnitz diese beiden Dichtungen deshalb für einen Vergleich auswählt, weil für ihn der wohl vor 1298 gedichtete Apollonms „eine Art Gegenentwurf * zu dem nach 1291 entstandenen Reinfried darstellt (S. 417). Zudem stehen beide Texte, die in den i29oer Jahren vor dem Hintergrund der Streitigkeiten um den deutschen Königsthron entstanden sind, am Ende einer literarischen Reihe, die mit dem König Rother mehr als 100 Jahre zuvor beginnt. Gemeinsam ist all diesen deutschsprachigen weltlichen Versromanen die „Verbindung von Brautwerbung und Minne mit Aspekten der Machtlegitimation und Herrschaftstranslation vor dem Hintergrund christlicher Heilsgeschichte\" (S. 8 und wieder S. 418).
TL;DR: In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (vom 6. September 2000) der Wunsch geäußert, das reiche quellengeschichtliche Material möge doch in einer neuen Biographie zu einer erzählerischen Synthese finden.
Abstract: Längst war sie fällig, die Biographie des reichsten Mannes im klassischen Weimar: des Unternehmers, Verlegers und Publizisten Friedrich Justin Bertuch (1747 bis 1822). In den letzten Jahren hat er fast mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit erregt als so manche rein literarische Persönlichkeit an der Peripherie der Weimarer Klassik. Als vor zwei Jahren Gerhard R. Kaisers und Siegfried Seiferts umfassender Sammelband über Bertuch erschien, wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (vom 6. September 2000) der Wunsch geäußert, das reiche quellengeschichtliche Material möge doch in einer neuen Biographie zu einer erzählerischen Synthese finden. Schneller als geahnt ist dieser Wunsch durch die profunde Biographie von Walter Steiner und Uta Kühn-Stillmark erfüllt worden.
TL;DR: In this paper, Fröhlich basiert auf der Frage: „Warum lassen Autoren ihre Helden verschwinden?“ (S. 9).
Abstract: Mit Hilfe weit ausgreifender kritisch gebündelter Sekundärliteratur, hauptsächlich neostrukturalistischer Provenienz, gelingt es der Autorin, in der Konvergenz von Literaturtheorie, Philosophie und Rezeptionsästhetik die poetologische Vorgehensweise Ransmayrs programmatisch zu erklären. Diese erste Gesamtdarstellung des Ransmayrschen Werks, an der sich zukünftige Interpretationen zu messen haben, basiert auf der Frage: „Warum lassen Autoren ihre Helden verschwinden?“ (S. 9). Der Held als Subjekt der Äußerung, mit dem sich ein Leser-Ich identifiziert, ist spätestens seit Musils Mann ohne Eigenschaften brüchig und verschwindet zugunsten des Subjekts der Aussage (des Erzählers) in der deutschen Gegenwartsliteratur aufgrund eines veränderten Subjektbegriffs. Vor dem Hintergrund philosophisch-postmoderner Subjektkritik, die bekanntlich das Ich als kulturhistorische Inszenierung und die Welt als unabhängige Realität begreift, konstatiert Fröhlich die nun schon seit geraumer Zeit aktuelle „Krise des Subjekts“ (S. 75), die speziell in Ransmayrs poetologischer Vorgehensweise aus dem ‚fremden Blick‘ des geschulten Ethnologen resultiert.
TL;DR: Montesquieus und Chamforts werden dort die Contes von Madame d'Aulnoy and die historische Novelle des Dom Carlos aus den letzten Jahrzehnten des 17.
Abstract: Montesquieus und Chamforts werden dort die Contes von Madame d'Aulnoy und die historische Novelle des Dom Carlos aus den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts (Giorgio Säle, Bd. III, 8.25-31, und Jole Morgante, Bd. III, 8.33-48), dazu noch Gedichte aus dem französischen Surrealismus (Dora Bienaime, Bd. III, S. 159-170) und die Erzählungen Alexis und Feux von Marguerite Yourcenar (Maurice Delacroix, Bd. III, S. 171-185) als Beispiele für die Vielfalt der Aphoristik in der französischen Literatur herangezogen.
TL;DR: In this paper, Goethe wrote: „Schließet den Wässerungs Kanal / Genugsam tranken die Wiesen.“.
Abstract: „Schließet den Wässerungs Kanal / Genugsam tranken die Wiesen.“ Mit diesen berühmten Worten hat Johann Wolfgang von Goethe am 1. Dezember 1831 den Freund Alexander von Humboldt brieflich davon unterrichtet, daß er den Faust II nunmehr abgeschlossen und eingesiegelt habe, nachdem ihm das „Ausfüllen gewisser Lücken“ gelungen sei.
TL;DR: The mit emblemen bemalte Holzdecke der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Hergiswald bei Luzern dürfte zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der außerliterarischen religiösen Emblematik in der Schweiz zählen, wohl auch das umfassendste mariologische Emblemprogramm darstellen.
Abstract: Die mit Emblemen bemalte Holzdecke der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Hergiswald bei Luzern dürfte zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der außerliterarischen religiösen Emblematik in der Schweiz zählen, wohl auch das umfassendste mariologische Emblemprogramm darstellen.
TL;DR: In this paper, Müller et al. present a paper "Symbolische Kommunikation in der Vormoderne" which weckt Assoziationen an historisch andere Wahrnehmungsmuster, an die Funktion von Sichtbarkeit und Anwesenheit and spezifischen Präsenzeffekten.
Abstract: Die vorliegende Arbeit ist als Dissertation bei Jan-Dirk Müller in München entstanden und leitet die neue Reihe „Symbolische Kommunikation in der Vormoderne“ ein, die von Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger und Horst Wenzel in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft herausgegeben wird. Das gewählte Thema ist kennzeichnend für eine kulturwissenschaftliche Fragestellung, die nach der Alterität vormoderner Kommunikation fragt. „Symbolische Kommunikation in der Vormoderne“ weckt Assoziationen an historisch andere Wahrnehmungsmuster, an die Funktion von Sichtbarkeit und Anwesenheit und spezifischen Präsenzeffekten. Die Arbeit läßt rituelles Handeln gleichsam als privilegierte Vollzugsform höfischer Kultur begreifen. Die Durchdringung der „Poetik des Rituals“ bietet somit weitreichende Einsichten in den epistemischen Status des Höfischen und damit seines spezifischen Modus der Repräsentation, der Symbolisierung und der Erzeugung von Evidenz.
TL;DR: In this article, a pünktlich erschienene Ausgabe mit einer gelungenen Werkauswahl den Dichter Gleim neu ins Bewußtsein.
Abstract: Im Jahre 1803 verlor der deutsche Parnaß drei seiner namhaften Mitglieder: Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Gottfried Herder und Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Zählen Klopstock und Herder zwar kaum mehr zu den viel gelesenen, aber wenigstens noch zu den viel gelobten Dichtern, so bedarf es offenbar eines runden Gedenktages, um sich an Gleim zu erinnern. Während das engagierte Gleimhaus zu Halberstadt, neben dem Marbacher Schillerhaus das älteste deutsche Literaturmuseum, seinen einstigen Bewohner, der wie kein anderer das ‚Jahrhundert der Freundschaft‘ verkörpert, mit einem beachtlichen Ausstellungs- und Tagungsprogramm würdigt, rückt Walter Hettches pünktlich erschienene Ausgabe mit einer gelungenen Werkauswahl den Dichter Gleim neu ins Bewußtsein.
TL;DR: In this paper, the authors present a bibliographie zum Parzival-Roman Wolframs von Eschenbach erfaßt (vorwiegend) wissenschaftliche Literatur der years 1984 bis 1996.
Abstract: Der Einsatz neuer Medien findet auch in der Germanistik zunehmend Verbreitung. Zwei der Hauptanwendungsgebiete sind die Editionswissenschaft und die Erschließung von Quellen und Forschungsliteratur. Zu letzterer gehört der hier vorzustellende Datenträger, der einem der Hauptwerke des deutschsprachigen Mittelalters gewidmet ist. Die am Londoner King's College erarbeitete Stellenbibliographie zum Parzival-Roman Wolframs von Eschenbach erfaßt (vorwiegend) wissenschaftliche Literatur der Jahre 1984 bis 1996. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsunternehmen, das von dem Germanisten David N. Yeandle geleitet wurde; die Eingabe und thematische Zuordnung der einzelnen bibliographischen Belege lag in den Händen von Carol Magner; weitere Mitarbeiter waren mit der Aufgabe der Programmierung befaßt. Das Ergebnis dieser mehrjährigen Bemühungen ist nun als CD-ROM mit Begleitheft im Max Niemeyer Verlag erschienen.
TL;DR: Alfred Döblin, Ausgewählte Werke in Einzelbänden as discussed by the authors verdienen a gleichermaßen Beachtung, obwohl der zuerst genannte Band der Erzählungen nicht eigentlich etwas Neues bietet, sondern den 1977 beziehungsweise 1979 erschienenen Band der Ehrungen aus fünf Jahrzehnten, der von Edgar Pässler hera
Abstract: Alle drei Bände sind Teil der im Walter-Verlag erscheinenden, nicht numerierten Reihe „Alfred Döblin, Ausgewählte Werke in Einzelbänden. Begründet von Walter Muschg †. In Verbindung mit den Söhnen des Dichters herausgegeben von Anthony W. Riley“. In dieser Reihe sind in den letzten drei Jahren drei neue Bände erschienen: Sämtliche Erzählungen, Kleine Schriften III (1925–1933) und Briefe II. Alle drei Bände verdienen gleichermaßen Beachtung, obwohl der zuerst genannte Band der Erzählungen nicht eigentlich etwas Neues bietet, sondern den 1977 beziehungsweise 1979 erschienenen Band der Erzählungen aus fünf Jahrzehnten, der von Edgar Pässler herausgegeben worden war, ablöst.
TL;DR: Schreiner et al. as discussed by the authors discuss the interdisziplinarität des Bandes lediglich in der Zusammenstellung von Einzelbeiträgen aus verschiedenen Disziplinen besteht oder ob die einzelnen Studien für and in sich die Räume zwischen den DisziPLinen abschreiten.
Abstract: einem Frömmigkeit im Spätmittelalter ist in den letzten zehn Jahren zu boomenden Forschungsterrain und zugleich zu einem Paradigma interdisziplinärer Forschung avanciert. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat Klaus Schreiner, der nicht nur in eigenen Studien die unterschiedlichsten Aspekte des Gegenstandes ausgeleuchtet hat, sondern der es auf zahlreichen von ihm organisierten Tagungen verstanden hat, Vertreter(innen) der verschiedensten Disziplinen zum Gespräch über ,sein' Thema zu versammeln. So vereinigt auch der vorliegende, reichlich illustrierte Sammelband, der auf einer Bielefelder Tagung vom November 1996 basiert, Arbeiten aus der Sozial-, Religions-, Kunst-, Literaturund Geschlechtergeschichte. Freilich stellt sich die Frage, ob die ,Interdisziplinarität des Bandes lediglich in der Zusammenstellung von Einzelbeiträgen aus verschiedenen Disziplinen besteht oder ob die einzelnen Studien für und in sich die Räume zwischen den Disziplinen abschreiten. Ereignet sich tatsächlich Interdisziplinarität, wenn ein Kunsthistoriker eine bildliche Darstellung des Christus crucifixus zu verstehen sucht (vgl. den Beitrag von Michael Camille)? Die Richtung hatte Klaus Schreiner mit seinem Konzept der Tagung vorgegeben: Die Referenten der Tagung sollten sich Gedanken darüber machen, „was Frömmigkeit im Mittelalter mit der politisch-sozialen Lebenswelt der Christen von damals, was mit deren Augen im besonderen und was mit ihrer Körperlichkeit im allgemeinen zu tun hatte\" (S. 10). Mit der Frage nach der sozialen Kontextualität von Frömmigkeit beziehungsweise Religion waren Sozialund Religionsgeschichte in der Art der Religionssoziologie verknüpft. Die Frage nach der Bedeutung und Funktion des Auges in der mittelalterlichen Frömmigkeit können nur Kunstgeschichte und Theologie zusammen beantworten helfen (vgl. die Bildtheologie). Die Beispiele von Religionssoziologie und Bildtheologie machen deutlich, daß sich auf dem Feld der Disziplinen seit Jahrzehnten auch Disziplinen tummeln, die in sich schon interdisziplinär sind. Ja, ich möchte behaupten, daß es heutzutage kaum mehr eine Disziplin gibt, die nicht im Prozeß der Ausdifferenzierung solche interdisziplinären Disziplinen hervorgebracht hat (Psycholinguistik, Literatursoziologie, Rechtsphilosophie, Kultursoziologie, Wirtschaftsrecht u.a.). Doch am Forschungsgegenstand Auge zeigt sich noch mehr. Versteht man das Auge als ,Fenster der Seele oder als Vermittler zwischen äußeren Objekten und innerer Gefühlswelt, dann ist neben Kunstgeschichte und Theologie auch die Psychohistorie beziehungsweise die Emotionalitätsforschung gefordert. Doch Gefühlsgeschichte als separate wissenschaftliche Disziplin hat sich bis heute nicht etabliert; jedenfalls wird sie nicht von der Wissenschaftsdisziplin Psychologie reklamiert, sondern bildet seit Jahrzehnten den Gegenstand ganz verschiedener Disziplinen (Philosophie, Literaturwissenschaft, Religionsgeschichte, historische Anthropologie, Medizingeschichte, Kunstgeschichte
TL;DR: Schümmer erörtert Lichtenbergs Konzept der Kultur unter vier Aspekten: in Hinblick auf die Aufgabe der Erziehung, the Rolle der Naturwissenschaft, the Bedeutung der Religion and das Verhältnis von Eigenem und Fremdem as mentioned in this paper.
Abstract: Schümmer erörtert Lichtenbergs Konzept der Kultur unter vier Aspekten: in Hinblick auf die Aufgabe der Erziehung, die Rolle der Naturwissenschaft, die Bedeutung der Religion und das Verhältnis von Eigenem und Fremdem. Im Kapitel „Lichtenberg und die Pädagogik“ (S. 61–114) streicht Schümmer heraus, daß sich Lichtenberg trotz seines Fortschrittsoptimismus der Kehrseiten des Zivilisationsprozesses bewußt gewesen ist. Lichtenberg wandte sich dementsprechend gegen das Bestreben zeitgenössischer Pädagogen, die Erziehung rational durchzuplanen; er betonte die Rolle des Zufalls und der Spontaneität im Bildungsprozeß. Schümmers Darstellung der Rolle der Naturwissenschaft im Denken Lichtenbergs akzentuiert dessen „Parteinahme für die Notwendigkeit wissenschaftlicher Forschung als Grundlage für die Weiterentwicklung der Kultur des Menschen“ (S. 128).
TL;DR: In this article, a Reihe von Arbeiten aus der perspektive der historyischen Anthropologie vorgelegt, aus denen einmal mehr deutlich wird, daß fast ausschließlich Männer als Handelnde und Agierende in den historischen Ehrkonflikten und Ehrenhändeln auftreten, dokumentiert und erforscht worden sind.
Abstract: Zum Thema ‚Ehre‘ sind in der historischen Forschung im letzten Jahrzehnt wichtige Arbeiten erschienen. Ute Frevert hat in ihrer Habilitationsschrift Ehrenmänner (München 1991) die Geschichte des Duells im 19. Jahrhundert gründlich und wegweisend aufgearbeitet und den theoretischen Rahmen für eine Erfassung geschlechtsspezifischer Ehrkonzepte als Identitätsbegriff geschaffen. Martin Dinges und andere haben zum Thema Ehre für das 18. Jahrhundert und die Frühe Neuzeit eine Reihe von Arbeiten aus der Perspektive der historischen Anthropologie vorgelegt, aus denen einmal mehr deutlich wird, daß fast ausschließlich Männer als Handelnde und Agierende in den historischen Ehrkonflikten und Ehrenhändeln auftreten, dokumentiert und erforscht worden sind.
TL;DR: In this paper, Bachtin et al. reinterpreted Bachin als "Bachthin" auf, and the Vorname des Goetheforschers Jeremy Adler wird durchweg als „Jeremey" wiedergegeben.
Abstract: Michail Bachtin als „Bachthin\" auf, und der Vorname des Goetheforschers Jeremy Adler wird durchweg als „Jeremey\" (S. 223, Anm. 24 und öfter) wiedergegeben. Statt „HKA I\" (S. 242, Anm. i) muß es HKA II heißen. Da Neues offenbar das dichterische Werk des Novalis nicht aus dem 1960 in zweiter Auflage erschienenen Band i der Ausgabe von Kluckhohn und Samuel, sondern nach der dritten Auflage von 1977 zitiert, sollte die Titelangabe auf S. 298 nicht nur bezüglich des fehlerhaften Erscheinungsjahres „11960\" geändert werden. Schließlich sei darauf hingewiesen, daß die Angabe, das Erscheinungsjahr der Dialogen des Novalis sei 1798 (S. 242), irrig ist; Novalis' Dialogen sind postum erschienen.
TL;DR: In this article, an ausgewählten Sangsprüchen den Begriff der höfischen Liebe zu bestimmen, eine Gattungspoetik der Minnespruchstrophe zu entwickeln and dabei eine gattungsgeschichtliche Perspektive entfalten.
Abstract: Ziel der überarbeiteten Dissertation ist es, an ausgewählten Sangsprüchen den Begriff der höfischen Liebe zu bestimmen, eine Gattungspoetik der Minnespruchstrophe zu entwickeln und dabei eine gattungsgeschichtliche Perspektive zu entfalten. Das Erkenntnisinteresse richtet sich genauer auf die textuellen Verfahrensweisen und Strukturen, die in der Spruchdichtung von Walther von der Vogelweide bis Frauenlob für den Entwurf höfischer Liebe wie für den Frauenpreis entwickelt werden. Ausdrücklich verabschiedet werden Sichtweisen, die sich ganz auf den ‚Gehalt‘ der Strophen stützen und die Liebesentwürfe der Sangspruchdichtung zunächst nur als Operationen der Didaktisierung und Moralisierung auffassen. Mit diesen Begriffen werde, so Egidi, die Literarizität der Sangspruchdichtung zugedeckt (S. 14). Zu überwinden sei zudem die „als unbrauchbar erkannte Opposition der Demonstration artistischer Brillanz als Selbstzweck und der Vermittlung verbindlicher Inhalte“ (S. 70).
TL;DR: Fohrmanns Untersuchung weist hier einen Weg, indem sie den Text als den Ort betrachtet, „an dem das kulturelle Archiv nicht bestätigt, sondern transformiert werden muß“ (S. 200) as discussed by the authors.
Abstract: Der Begriff des Archivs hat trotz der Assoziation von Papierstaub in der kulturwissenschaftlichen Erforschung des Zusammenhangs von kulturellem Gedächtnis mit Ordnung, Macht und Identität rasant Karriere gemacht und längst auch die Goethe-Forschung erreicht. Allerdings hat er sich dort für die Epochenanalyse und die nähere Betrachtung literarischer Texte noch nicht recht fruchtbar erwiesen. Jürgen Fohrmanns Untersuchung weist hier einen Weg, indem sie den Text als den Ort betrachtet, „an dem das kulturelle Archiv nicht bestätigt, sondern transformiert werden muß“ (S. 200). Diese Formel ist die Konsequenz aus einer prozessualen Neuerwägung der Funktion des ästhetischen Imperativs in der Kunstperiode als einer Brückenepoche zur ästhetischen Moderne.
TL;DR: In this paper, a vergleichbare Wirkung steht von dem hier anzuzeigenden Band zu erwarten, und dennoch ist gerade eine so verwegene Anstrengung unzweifelhaft erforderlich.
Abstract: Die intensive germanistische Frühneuzeitforschung der letzten Jahrzehnte hat manche ihrer wichtigsten Ergebnisse nicht auf dem Wege der editorischen Erschließung und monographischen Untersuchung der kanonisierten Autoren und ihrer zentralen Texte gewonnen. Neue und wegweisende Aufschlüsse über die Literatur und Kultur des 16. bis 18. Jahrhunderts sind vielmehr immer wieder aus Projekten gezogen worden, die sich der Epoche scheinbar von ihren Rändern her genähert haben. Denn sofern man diese in der gegenwärtigen Germanistensprache so beliebte Metapher nicht in ihrem postmodern-modischen Sinne, sondern als Annäherung an den wissenschaftlichen Gegenstand aus einer Perspektive abseits der traditionell eingespielten fachlichen Usancen versteht, haben beispielsweise Wolfgang Harms' Flugblattedition oder Werner Welzigs Bände zur frühneuzeitlichen Predigt der Forschung viel bedeutendere Anregungen gegeben als diese und jene gelehrsamen Studien über die bekanntesten Dichter des Barock. Eine vergleichbare Wirkung steht von dem hier anzuzeigenden Band zu erwarten. In einer Situation programmatisch betriebener Re-Kanonisierung erscheint die Auseinandersetzung mit einer fast unüberschaubaren Menge an literarhistorisch bislang wenig bis nicht beachteten Texten mutig; in Zeiten der Konjunktur poststrukturalistischer Theorie und mehr oder minder frei flottierender Interpretation mag eine editorische Pionierleistung, die sich auf bloß marginale bisherige Forschungsergebnisse zu stützen vermag, kühn oder gar anachronistisch wirken – und dennoch ist gerade eine so verwegene Anstrengung unzweifelhaft erforderlich.